Ein Abend mit Miss Cherrywine – Musik & mehr

Zu unserem 28. Vereinsgeburtstag haben wir am 8. Januar 2026 unsere ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Rittersaal in Gifhorn zu einem Abend mit Miss Cherrywine geladen. Sie singt und spricht über den Tod, das Sterben und die Trauer. Ihre Vorstellung ist berührend, unterhaltsam und – wo es passt – auch gerne ein wenig unkonventionell; damit passt sie wunderbar zu den Inhalten unseres Vereins.
Nach dem Sektempfang und einer kurzen Begrüßung unserer Vorsitzende Frau Ingrid Pahlmann startete Miss Cherrywine, verkörpert durch die Musikerin Tina Damm aus Köln, mit ihrem Programm „Salon Mortel“. Mit Liedern, einige selbstgeschrieben und auf dem Klavier begleitet, bildete sie einen musikalischen Rahmen, in dem sie über Gedanken zu Sterben, Tod und Trauer berichtet.
Sie wird oft gefragt: „Warum dieses Thema“? Aufgewachsen in einem Mehrgenerationenhaus in Nordbayern kam sie schon früh mit Tod und Trauer in Kontakt. Der Tod war in ihrer Kindheit immer präsent und ihre Oma hat ihr immer wieder gruselige Geschichten über morbide Dinge erzählt. Mit diesem Hintergrund hat nicht sie sich das Thema ausgesucht, sondern das Thema kam zwangsläufig zu ihr.
Der erste Teil des Abends handelte von Gebräuchen im Laufe der Zeit. So brachte das Viktorianische Zeitalter die Farbe Schwarz als Zeichen der Trauer und es wurde zu skurrilen Abenden wie „Mumien auswickeln“ geladen. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam der Beruf der Bestatter auf. Die Friedhöfe lagen aufgrund von Platzmangel außerhalb der Städte und die Verstorbenen mussten dorthin transportiert werden.
In der heutigen Zeit gibt es unterschiedlichste Rituale: der Tag der Toten - Dia de los Muertos - in Mexiko oder auf Madagaskar, wo die Toten aus ihrer Gruft geholt werden, um mit ihnen zu feiern - um zwei zu nennen.
Aber auch der Humor kam nicht zu kurz. Pantomimisch beschrieben sollte vom Publikum umgangssprachliche Begriffe wie „ins Gras beißen“ oder „Holzpyjama“ (wienerisch für Sarg) erraten werden.
Nach der Pause im Kaminraum des Schlosses bei Brezeln und Getränken und der Möglichkeit, sich über das Programm auszutauschen und nette Gespräche zu führen, ging es im „Salon Mortel“ im zweiten Teil um Geschichten und Lieder zur Trauer und der Trauerbewältigung. Dabei wechselten sich spannende Betrachtungen mit humorvollen Texten ab.
Emotional wurde es bei dem selbst komponierten Lied „Tod-Couture“, das von Angehörigen handelt, die Kleidung der Verstorbenen tragen, um ihnen in ihrer Trauer nahe zu sein. Zur Auflockerung der Stimmung gab es anschließend einige Flachwitze. Ein Beispiel: „Warum kann ein Sarg in Hamburg St. Pauli nicht geöffnet werden? Es liegt ein Zuhälter drin“.
Über exotische Beisetzungsarten, wie einem Pilzsarg oder das Einfrieren des Körpers zur späteren Wiederbelebung, ging es zu Erinnerungsstücken, die aus der Asche hergestellt werden können: Steine, Schallplatten oder Tattoos, bei denen die Asche des Verstorbenen der Farbe beigemischt wird.
Zum Abschluss wurden noch Lieder zur Trauerfeier angesprochen und auch solche thematisiert, die man dort nicht hören möchte: „Atemlos“ oder „Es geht ein Zug nach Nirgendwo“ und einige mehr. Mit dem Spruch „Keiner von uns kommt hier lebend raus, also hört auf, euch als Nebensache zu betrachten“ und einem letzten Lied mit dem Titel „Letztes Lied“ ging das unterhaltsame Programm zu Ende.
Aber nicht ohne eine Zugabe: „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“. Damit endete die Veranstaltung zum 28. Vereinsgeburtstag.
Text und Foto: Christine Zecchino (ehrenamtliche Mitarbeitende)